Joachim Meyer – Fechtmeister und Meisterschmied

Veröffentlicht von Uli Schade am

Joachim Meyer - Fechtmeister und Meisterschmied

Joachim Meyer

Joachim Meyer hat mit seinem letzten Fechtbuch ein absolutes Meisterwerk seiner Zeit geschaffen. Augenmerk lag dabei auf dem (tendenziell) nichttödlichem Duelfechten unter der Einhaltung damaliger Gesetze. Dennoch beruft er sich auf die Lehren vorangegangener Fechtmeister und adaptiert diese in ein damals modernes Trainingssystem. Von vielen heutigen Fechtern verschrien, vermittelt er jedoch letztlich genau die Lehren, die heute in modernen Wettkämpfen Anwendung finden. Genau aus diesem Grund haben wir ihn als unseren geistigen Vater auserkoren.

Leben und Wirken

Joachim Meyer war ein Freifechter und Fechtmeister des 16. Jahrhunderts. Zeitlich war er der letzte seiner Tradition, auf Johannes Liechtenauer berufend. In seinen letzten Lebensjahren hat er uns mindestens drei Fechtbücher hinterlassen. Seine Schriften vereinen sowohl technischen Lehren, als auch zeitgenössische Kampfsysteme, welche er auf seinen Reisen durch ganz Europa kennengelernt hat. Außerdem war er ausgebildeter Schmiedemeister.

Meyer wurde im schweizerischen Basel geboren, wo er vermutlich eine Schmiedelehre absolvierte. Er schreibt in seinen Büchern, dass er in seiner Jugend weit gereist sei, so wie es zu seiner Zeit als Geselle gute Sitte war. Währenddessen erwarb er die Meisterreife und das Recht auf Mitgliedschaft in einer Schmiedegilde. Die Gesellen wurden in fremden Städten oft zur Wache abgestellt und traten städtischen Truppen bei. Dabei lernte Meyer auf seinen Reisen viel über ausländische Fechtsysteme. Einige Fechthistoriker vermuten, dass er speziell in der Bologneser Fechtschule trainiert hat, was einer näheren Analyse aber nicht standhält.

Aufzeichnungen zeigen, dass er sich am 4. Juni 1560 in Straßburg niederließ wo er Appolonia Ruhlmann heiratete und der örtlichen Schmiedegilde beitrat.

Seine Interessen gingen inzwischen jedoch über das Messerschmieden hinaus und so beantragte er 1561 beim Rathaus zu Straßburg das Recht eine Fechtschule zu gründen sowie Wettkämpfe abhalten zu dürfen. Dies wurde jedoch abgelehnt. In den darauffolgenden sieben Jahren wiederholte er sein Gesuch mehrfach. 1568 bezeichnet er sich dabei erstmals selbst als Fechtmeister.

Meyer verfasst sein erstes Manuscript zwischen 1560 und 1568. Dieses umfasst eine Reihe von Trainingslektionen mit dem langen Schwert, dem Dussak, sowie dem Rapier. Sein zweites Manuscript wurde zwischen 1563 und 1570 verfasst und ist deutlich anderer Natur. Wie viele Fechtbücher des vorangegangenen Jahrhunderts ist es ein Sammelband von Abhandlungen einer Vielzahl vorangegangener Fechtmeister und umfasst außerdem einen kurzen Ausschnitt zum Rapierfechten, basierend auf dem deutschen Messersystem, welches Meyer selbst verfasst hat.

Schlussendlich, am 24. Februar 1570 vollendete er sein Meisterwerk mit dem Titel „Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens“, welches eine Vielzahl von Waffengattungen der damaligen Zeit in sich vereint und deshalb schon damals bis heute absolut einzigartig war und ist.

Unglücklicherweise verschuldete sich Meyer mit der Veröffentlichung seines Buches über alle Maßen. Um seine Schuld zu begleichen nahm er eine Stelle als Fechtmeister am Hofe Johann Albrecht von Mecklemburg in Schwerin an. Er hoffte, dort seine Bücher zu einem besseren Preis verkaufen zu können und schickte diese voraus nach Schwerin. Nachdem er am 4. Januar 1571 seine Vergütung erhalten hatte verließ er Straßburg. Inmitten eines strengen Winters reiste er die fast 1300km nach Schwerin und erreichte den Hof am 10. Februar. Zwei Wochen später, am 24. Februar verstarb Meyer. Der Grund ist unbekannt. Möglicherweise war es  eine Grippe oder Lungenentzündung.

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