Die vier Blößen

Veröffentlicht von Uli Schade am

Hier soll es um die Teilung des Mannes gehen, wie Meyer so schön schreibt. An sich keinerlei Raketenwissenschaft, so ist Sie essentiell für das grundlegende Verständnis des Fechtens.

Schauen wir uns also erst einmal kurz die entsprechende Lehrtafel an und führen uns anschließend die wunderbar geschwollenen Worte des Altmeisters zu Gemüte:

blößen

„WIewol die theilung des Mans auß welcher die Blösungen und Leger entstahn / zu und von welcher auch gefochten würdt / eingentlich zu der Mittel oder Handtarbeit gehöret / derowegen auch im inhalt dises Buchs hievon meldung beschehen / jedoch hab ich dieselbe alhie zum ersten nit ohne sondere ursach wollen setzen un beschreiben. Den dieweil im Fechten und in allen stucken und künsten / es am ersten von nöten ist zu wissen / was das sey darumb es zu thun / un derwegen darvon gehandelt würdt / hat sich zum ersten wollen gebüren / hievon bericht zuthun / damit nit erst in dem Mittel oder Handarbeit so solcher Blösungen gedacht würt / von nöten davon zuschreiben / unnd ich im lauff meines schreibens hindersich gezogen wurd.

Nun wirdt aber der Man abgetheilt in vier quatier oder theil / in das Ober und das Under / und der jedes in das Recht und Linck. Dises was und wie sie an inen selbs seind / darff nicht weitleuffiges beschreibens / dieweil der augenschein selbs solches gibt am menschen was an ime das oberste oder das underste / auch Recht un Lincke theil sey. Doch zu mehrerm verstand was ich hiemit gemein / eklert das Bild zur rechten in obgesetzter Figur.“ Joachim Meyer

Genug des Kauderwelsch, folgend in Klartext:

Eigentlich sind die Blößen selbsterklärend, wollen aber trotzdem kurz genannt und erklärt sein, weil sie zu den Basics des Schwertfechtens gehören. Man denke sich dazu ein gedachtes Kreuz über sein Gegenüber, wie im Bild zu sehen. Es entsteht eine Vierteilung, von der die Oberen „Ober“ heißen und die Unteren, wer hätte das gedacht, „Unter“ genannt werden. Diese gibt es dann jeweils links und rechts.

Es gibt also folgende Blößen, die uns in Theorie und Praxis immer wieder begegnen:

  • obere rechte Blöße
  • obere linke Blöße
  • untere rechte Blöße
  • untere linke Blöße

Grundsätzlich ist man beim Kampf immer nur in der Lage maximal zwei eigene Blößen zur selben Zeit zu schützen. Die anderen beiden sind potentielle Angriffsziele. Die Kunst ist es nun eine ungeschützte Blöße des Gegners zu erreichen ohne sich (dem Gegner) „selbst die Blöße“ zu geben.

Kategorien: Grundlagen

1 Kommentar

Die Prinzipien des Schwertkampfes – Teil 4 » Bunte Schar · 14. Januar 2019 um 12:37

[…] Menschen zu finden sind. Äußerlich betrachtet sind dies die vier Blößen, die schon in einem anderen Artikel behandelt wurden: Maximal zwei Viertel der Trefferzonen des eigenen Körpers kann man im Kampf […]

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