Die Huten

Veröffentlicht von Uli Schade am

Vorwort

Nachfolgend möchte ich für den Einsteiger unter euch die grundlegenden Huten nach Joachim Meyer näher beleuchten. Eine Hut kann man am ehesten mit einer Grundstellung gleichsetzen aus denen die Häue Ihren Anfang nehmen und gleichzeitig der Verteidigung dienen. Man ist „auf der Hut“.

Diese Aufzählung ist unvollständig und soll sich nur mit den Haupthuten befassen. Diese werden von den vier Blößen abgeleitet und lauten entsprechend:

  • Ochs
  • Pflug
  • Tag 
  • Alber

Es gibt noch einige Andere, die im Trainingsalltag und letztlich auch im Duell nur eine untergeordnete Rolle spielen und sich als Ableitungen leicht erlernen lassen. Grundsätzlich gilt: Nicht am Gehilz festklammern und zwar mit Körperspannung der jeweiligen Hut begegnen, aber ohne zu verkrampfen. Die Knie sind stets leicht gebeugt. Der Körperschwerpunkt ist mittig zwischen den Beinen, oder ruht auf dem vorne liegendem Bein. Wir bleiben trotz Körperspannung weich und geschmeidig. Immer auf dem Sprung.

Wir beleuchten nun Zitate von Joachim Meyer (1570). Da dies gerade für Anfänger oft nur unverständliches Geschwafel ist, habe ich jeweils meinen Senf dazugegeben.

ochs+pflug

Der Ochs

„Der Obertheil am Man wirt dem Ochsen zugetheilt, und wie dasselbige zwey quatier hat, das Rechte und Lincke, also kan man auch das Leger des Ochsens in zwey theil, nemlich den Rechten unnd Lincken abtheilen. Der rechte Ochs wirdt nun also gemacht, stehe mit deinem Lincken Fuß vor, halt das Schwerdt mit dem Hefft neben deinem Kopff, zur Rechten Seiten in der höhe, das dein vorder ort dem Man gegen dem gesicht stehe. Zum Lincken Ochsen schick dich disem zugegen, nemlich trit mit dem Rechten Fuß vor, halt dein Schwerdt mit dem Hefft neben deinem Kopff zur Lincken Seiten wie oben gemeld, so hast du beider Ochsen Hut oder Leger, welches Leger in der Figur so mit dem Buchstaben B verzeichnet ist, zur Lincken furgebildet.“

Klartext:

Den Ochs gibt es (wie fast alle Huten) je links und rechts. Für den rechten Ochs: Linker Fuß vorn. Gehilz rechts oberhalb und neben dem Kopf. Parierstange waagerecht. Der Ort bedroht Hals oder Gesicht des Gegners. Arme kreuzen sich auf Höhe der Handgelenke.

Für den linken Ochs: Rechter Fuß vorne. Gehilz nun natürlich links oberhalb des Kopfes. Hände sind nun aber nicht gekreuzt. Gehilz bildet eine Gerade mit dem Linken Arm. Der rechte Arm stützt von unten. Parierstange auch hier waagerecht.

Der Ochs schützt die oberen Blößen.

Der Pflug

„Der undertheil des Mans wirt dem Pflug zugeeignet, un gleicher gestalt wie dieselbige zwey quatier oder zwo seiten die Rechte un Lincke hat, also wird auch daher der Pflug der Rechte und der Lincke geheissen, seind beide an sich selbst nichts anders, dan ein stich von unden auff, den rechten Pflug volbring wie folget. Steh mit deinem rechten Fuß vor, halt deine Wehr mit dem Hefft neben deinem vorgesetzten Knie wende die spitzen oder den ort dem Man ins gesicht, als wolstu in von unden auff stechen, so bistu im Rechten Pflug, tritestu mit dem Lincken fuß fur, und thust im des gleichen, so ligestu im Lincken, unnd ist also der Recht Pflug in obgedachter Figur zur Rechten auch furgebildet.

Klartext:

Den Pflug gibt’s auch in linker und rechter Ausführung und ist (u.a.) Ausgangsposition für einen Stich von unten. Der Meyer erklärts hier etwas anders als Liechtenauer. Hat sich in der heutigen Praxis kaum durchgesetzt. Sei es drum. Für uns gilt (nach Liechtenauer): Rechter Pflug. Linker Fuß Vorn. Der Ausfallschritt ist hier etwas weiter als die Grundstellung. Gehilz ist rechts neben der Hüfte. Der Ort bedroht wieder die obere Blöße des Gegenüber. Linker Pflug entsprechend wieder entgegengesetzt. Rechter Fuß vorne. Gehilz links der Hüfte. Bei beiden Varianten auf aufrechte Haltung achten, wir wollen schließlich unseren Kopf behalten.

Der Pflug schütz die unteren Blößen

tag+alber

Vom Tag

„Die Hut des Tags, welche man auch sunsten die Oberhut nennet, wirt auff volgende weiß volbracht. Stehe mit deinem Linckest Fuß vor, halt dein Schwerdt hoch uber deinem Haubt, das das ort gerad ubers stehe, aller ding wie dich das Bilde zur Lincken, in der Figur welche mit dem Buchstaben C. gezeich-netlehre, was dann also von oben herein gearbet wirdt, heißt alles auß dem Tag oder Oberhut gefochten, darumb solch Leger der Tag genennet.“

Klartext:

„Vom Tag“, auch Oberhut genannt, aber eigentlich nur „vom Tag“, zumindest von uns. Linker Fuß ist vorn. Gehilz und Schneide sind senkrecht neben dem Kopf. Parierstange ist parallel zur Laufrichtung.

Generell heißt alles „vom Tage“ was von oben gefochten wird, also der Ort über dem Kopf ist.

In Abwandlung gibt es noch den „vom Tag auf der Schulter“ (selbsterklärend; Ist das, was man bei Wettkämpfen gerne macht. Sieht verdammt lässig aus!)

„Vom Tag über dem Kopf“ ist das oben Abgebildete.

Er dient dem Angriff zu den oberen Blößen des Gegners.

Der Olber (Alber)

„Der Olber wirt meines erachtens von dem wort Alber, welches ist so vil als einfeltig genennet, sintemal auß disem Leger kein volkomlicher fertiger streich mag erlanget werden, man erhole sich dan nach des widerparts durch einen absatz entpfangenen streichs, eines neuwen, welches fürwar einem Albern und einfeltigen menschen zu zumessen, ohne bereidten gegenstreich auff sich schlagen zulassen. Diser wirt also formiert, stehe mit dem Lincken fuß vor, halt dein Schwerdt mit dem ort vor dir außgestreckt auff die Erden, fur deinen vorgesezten fuß, das die kurtze schneid oben, die Lange unden stehe, so ligst du in diser Hut recht, wie du solchers in gedachter Figur zur Rechten sehen kanst.“

Klartext:

Der Alber ist meist als End- und Zwischenhut, aber selten als Ausgangsposition zu sehen. Man öffnet die oberen Blößen und lädt seinen Gegner zu einem Schlag dahin ein. Man kann von hier zb. in den Ochs absetzen oder in einer Streichbewegung einen Oberhau papieren. Ganz so unnütz, wie Meyer hier kundtut, ist der Alber also gar nicht. Der Vollständigkeit (h)alber: Linker Fuß vorne, kurze Schneide oben, also wie der Pflug mit dem Ort nach unten und nicht ganz so tief stehend.

Der Alber zielt potenziell auf die unteren Blößen des Gegners und schützt diese zugleich.

Für alle Huten gilt

Es sind eher Wegweiser und Aufenthaltsräume für Ort und Gehilz, als starre Grundhaltungen.

Mehr über das „Wie“ und „Warum“ findest du hier: Prinzipien des Schwertkampfes – Teil 4


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