Die Häue

Veröffentlicht von Uli Schade am

Vorwort

Lieber Leser, nun wirds sehr theoretisch. Ich könnte nun schreiben, man haue dem geneigten Opfer von oben den Schädel ein und hat einen Oberhau vollbracht. Holt man von unten aus, nennt man das Unterhau. Als Hau bezeichnet man letztlich die Bewegung der Schneide von A nach B. Im Idealfall trifft man wahrenddessen auf ein Hindernis und setzt seinem Leben ein Ende. So einfach könnte es sein. Und falsch wäre das schlussendlich auch nicht mal. Fragen wir aber Joachim Meyer in seinem Werk „Gründliche Beschreibung des Fechtens“, so stellt sich das Ganze schon etwas differenzierter dar.  

Arten von Häuen

Soweit es das Schwert betrifft gibt es genau zwei Arten von Häuen:

  • gerade Häue, auch Prinzipalhäue genannt
  • verkehrte Häue, Beihäue oder „daraus wachsende Häue“

Prinzipalhäue

Hiervon gibt es wiederum vier. Aus diesen haben alle anderen Ihren Ursprung, wie die oben erwähnte Systematik schon beschreibt. Sie werden mit langer Schneide und ausgestreckten Armen gehauen:

  • Oberhau (Streich von oben nach unten)
  • Unterhau (Streich von unten nach oben)
  • Mittelhau (Streich in der Horizontalen von links nach rechts und umgekehrt)
  • Zornhau (Streich diagonal von oben nach unten)

Beihäue

Von denen gibt es ganze zwölf (12!) Häue. Das alleine ist schon eine Menge zum Üben und auswendig lernen. Alle diese Häue sind Abwandlungen der Prinzipalhäue, auch wenn sie in der Ausführung nur entfernt daran erinnern. Trotzdem bleiben sie in Ihrer Grundeigenschaft und Dynamik doch immer Häue in einer der beschriebenen Richtungen. Sie trachten mit der halben Schneide, der Fläche oder dem Ort nach des Gegners Wohlbefinden.

  • Schielhau
  • Krumphau
  • Kurzhau
  • Glitzhau
  • einfacher und doppelter Prellhau
  • Blendhau
  • Windhau
  • Kronhau
  • Kniechelhau
  • Sturzhau

Alter Schwede. Das ist ne menge Holz! Aber es kommt noch besser.

Meisterhäue

Denn aus diesen beiden Kategorien werden die sogenannten Meisterhäue zusammengesetzt. Sie heißen so, weil Sie eine Art Königsdisziplin darstellen. Es braucht viel Übung um diese Häue und entsprechende Stücke „die einem Meister wohl geziemen“ richtig und routiniert anwenden zu können.

  • Zornhau
  • Krummhau
  • Zwerchhau
  • Scheitelhau
  • Schielhau

Erläuterungen zu den Häuen

All diese Häue nun im Detail zu erklären würde meine Lust und Muße zum Schreiben dieses Artikels sprengen. Außerdem wollen wir uns ja mit den Grundlagen befassen. Deshalb wollen wir uns an dieser Stelle mit den Prinzipalhäuen zufrieden geben.

Der Oberhau

Ist ein Hau direkt von oben gegen den Kopf. Man steht mit dem linken Bein vorn in der Hut Vom Tage. Dieser Hau, wie die meisten anderen auch, sollte eine gewisse Vortriebskraft entwickeln, sodass es einen von den Füßen reißt und man zum Schritt mit dem rechten Fuß gezwungen ist. Nur so arbeitet man auch mit der vollen Kraft seines eigenen Körpers. Die Bewegung gleich derer beim Holzhacken und endet im linken Alber.

Falls du vergessen hast was eine Hut ist, hier findest du die Erklärung.

Der Unterhau

Befindet man sich dann im Alber, und erhebt das Schwert mit einer ausladenden Bewegung zurück in den Tag, hat man den Unterhau vollbracht. Trefferzone ist hier der Arm oder das Kinn des Gegners. Den Schritt nicht vergessen.

Der Mittelhau

Wird auch Zwerchhau/Twerhau/Querhau genannt und folgt der horizontalen Linie quer (Zwer) durch des Gegners Kopf. Man steht also im rechten Ochs und helikoptert über dem eigenen Kopf mit allerhand Schmackes seinen Ort zum rechten Ohr des Gegners. Man endet logischerweise im linken Ochs. 

Der Zornhau

Ist ein Hau quer durch die Diagonale des Gegners. Könnte man in einem Streich durchhauen, so dringt man in seiner Schulter ein und kommt auf der gegenüberliegenden Hüfte wieder heraus. Zuvor vollführt man eine ausladende Schwungholbewegung über die eigene Schulter über die Zornhut. Liechtenauer beschreibt ihn so schön als törichten Bauernschlag. Und Unrecht hat der damit nicht. Gib einem Unbefangenem ein Schwert und befehle ihm eine Schweinehälfte zu verhacken. Es wird wahrscheinlich ein Zornhau mit aller Kraft die man aufbringen kann. Nichts desto trotz zählt er zu den Meisterhäuen und hat seine Darseinsberechtigung verdient. So einfach dieser Hau scheint, man kann allerhand falsch machen.

„Merck wiltu künstlich Fechten Lehrn / Solt du mit fleiß den Zedel hörn“

Video

Björn Rüther von Hammaborg hat das Thema schön in einem Video zusammengefasst:

Youtube
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1 Kommentar

Die Huten » Bunte Schar · 27. Dezember 2018 um 10:56

[…] näher beleuchten. Eine Hut kann man am ehesten mit einer Grundstellung gleichsetzen aus denen die Häue Ihren Anfang nehmen und gleichzeitig der Verteidigung dienen. Man ist „auf der […]

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